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Erfahrungsbericht: Studium an der Uni Jerusalem
4. Einreise und Unterkunft
(Zwischenbericht Januar 01)

1.  Die Rothberg International School der Uni Jerusalem
2.  Arbeitsmöglichkeiten & Ausstattung
3.  Lebensbedingungen
4.  Einreise und Unterkunft (Zwischenbericht)

  • Ankunft und Sprachkurs
  • Noch vor Antritt meines DAAD-Stipendiums für das akademische Jahr 2000/2001 war ich bereits am 03.08.2000 nach Israel eingereist. Ich hatte mich dazu entschlossen, vor dem Studienbeginn an der Rothberg International School der Hebräischen Universität in Jerusalem, am Sommer-Ulpan (Hebräisch-Sprachkurs) der Universität teilzunehmen.

    Erst zwei Tage vor Beginn des Ulpans (07.08.2000) war die formale Einschreibung angesetzt, die angenehmerweise sehr durchorganisiert und zügig über die Bühne ging. Zusammen mit der Registrierung des Ulpans erfolgte auch gleich die Einschreibung für das gesamte akademische Jahr an der Universität selbst. Damit werden bereits zu diesem Zeitpunkt die Zahlungen für die Studiengebühren, die Sprachkursgebühren und die Unterkunft im Wohnheim (Näheres s. u.) fällig. Soweit noch nicht alles vorab per Auslandsüberweisung eingegangen ist, muss alles oder der Restbetrag in bar (Reise- oder Euroschecks werden nicht anerkannt) in US-Dollar oder in der Landeswährung NIS gezahlt werden.

    (Kleine Anmerkung am Rande: eine Problematik bei Auslandsüberweisung besteht darin, dass nur eine bestimmte Betragshöhe überhaupt überwiesen werden kann, d. h. bei hohen Summen müssen mehrere Aufträge eingereicht werden, für die jedes Mal eine Gebühr von ca. 30 Dollar entsteht. Diese wird von dem überwiesenen Betrag abgezogen und nicht extra abgerechnet. Das hatte z. B. zur Folge, dass ich mehrmals den ausstehenden Betrag nachzahlen musste. Wenn man sich das ersparen will, sollte man das Geld direkt vor Ort in bar vom Konto abheben.)

    Ein weiterer Tipp, gerade für die ersten Tage ist: viele Passphotos mitbringen, die am Anfang für alle möglichen Ausweise benötigt werden. Passphoto-Automaten oder Passphotos anfertigen lassen sind in der Uni sehr teuer.

    Mit der Einschreibung erfolgt die Zuordnung in eine Ulpanklasse sowie die Einweisung in eines der zwei Studentenwohnheime.

    Der Sprachkurs selbst umfasste über den Zeitraum von acht Wochen (09.08. – 05.10.2000) 200 Semesterwochenstunden. Trotz einer hohen Anzahl von Kursen sind die einzelnen Klassen groß (30 Teilnehmer und mehr), der Unterricht erfolgt durch 2 Lehrer bzw. Lehrerinnen. Wöchentliche Tests, ein "midterm" und die Abschlussklausur ebenso wie das Einreichen von Hausaufgaben und die Anwesenheit zählen als Leistungsnachweise.

    Auch wenn die Absolvierung des Sommer-Ulpan für Graduates nicht verpflichtend ist, kann ich die Teilnahme daran wärmstens empfehlen. Diese Zeitspanne bietet sich gut zur Eingewöhnung in das fremde Land, seine Kultur und auch das Klima an, so dass die Eingewöhnungsphase bereits überstanden ist, wenn das richtige Studium beginnt. Bis dahin ist man mit dem Gelände, der Administration und dem generellen Ablauf innerhalb der Rothberg School und der Hebräischen Universität vertraut. Nicht zu unterschätzen ist auch der Vorteil, einen großen Teil der Mitstudenten und Mitstudentinnen bereits während des Sommers kennengelernt und erste Kontakte geknüpft zu haben.

    Die Rothberg International School bietet neben dem Unterricht ein umfassendes Freizeitprogramm an, das, neben der sozialen Komponente, die Erkundung des Landes und das Kennenlernen seiner verschiedenen Bevölkerungsgruppen ermöglicht. Für die einzelnen Aktivitäten und Fahrten muss jeder Graduate selber aufkommen. Auch wenn die Fahrten inhaltlich oft nicht sehr ergiebig und teilweise schlecht organisiert sind, empfehle ich gerade in den ersten Wochen zur Teilnahme, da diese trotz aller Mängel einen guten ersten Eindruck und Überblick über das Land bieten sowie vor allem als "Kontaktbörse" innerhalb der Studenten fungieren.

  • Unterbringung
  • Die Unterbringung erfolgt in einem der zwei Studentenwohnheime in der Nähe des Mt. Scopus-Campus‘ der Hebräischen Universität. Gleichzeitig mit der Einschreibung wird man in eines der Wohnheime (Resnik oder Idelson) eingewiesen. In der Regel kommen die Undergraduates sowie die vorwiegend US-amerikanischen Studenten in das Resnik-Wohnheim, während die Graduates im Idelson untergebracht werden. Dieses Wohnheim zeichnet sich im Gegensatz zu den großen (und lauten) Flurgemeinschaften im Resnik durch kleinere Wohngemeinschaften (4 – 6 Bewohner) aus, die sich sanitäre Einrichtungen und Küche gemeinsam teilen. Die Studien- und Lebensbedingungen sind hier aufgrund der begrenzten Bewohnerzahl deutlich besser. In beiden Wohnheimen gibt es nur Doppelzimmer, die beengt und durchschnittlich gut ausgestattet sind (Bett, Matratze – keine Bettdecke oder Kissen – Regal, Tisch, Stuhl und Schrank).

    Die Unterkunft im Wohnheim ist nicht zwingend; Zimmer können relativ unkompliziert in den umliegenden Wohnvierteln oder im Stadtzentrum gemietet werden. An der Uni werden regelmäßig Zimmerangebote an den schwarzen Brettern annonciert (auf Englisch und Hebräisch). Der Vorteil des Wohnheimes liegt in seiner Nähe zum Campus (Resnik 5 min., Idelson 10 min. Fußweg) und im im Vergleich zur Miete auf dem freien Markt immer noch günstigeren Preis. Der Vorteil eines privat gemieteten Zimmers ist die Privatsphäre, die im Wohnheim-Doppelzimmer nicht in umfangreichen Rahmen gewährleistet ist, sowie die Möglichkeit, mit Einheimischen zusammen zu wohnen. Nicht jeder hat das seltene Glück, wie ich mit drei Einheimischen zusammen zu wohnen. Oft werden ganze Apartments nur mit ausländischen Studierenden besetzt. Die Möglichkeit zum Zimmerwechsel besteht, ist aber nur gegen den Widerstand der Verwaltung durchsetzbar.

    Eine kleine Einkaufszeile in der Nähe der Wohnheime (5 min. Fußweg vom Idelson-Wohnheim) bietet eine bequeme und günstige Einkaufsmöglichkeit. Hier befindet sich auch der nächste Waschsalon, zusätzlich zum Waschservice in den jeweiligen Wohnheimen. Innerhalb des Resnik Wohnheimes gibt es einen kleinen Supermarkt (ebenfalls auf dem Campus selbst), der allerdings weit überteuert ist.

    Der Campus und die beiden Wohnheime sind verkehrsgünstig gut gelegen. Mit einer Anzahl verschiedener Buslinien sowie mit arabischen Taxis sind die Innenstadt und die arabischen Stadtteile schnell und bequem zu erreichen.

  • Verpflegung
  • Die Lebenshaltungskosten in Israel kann man, grob geschätzt, als doppelt so hoch als in Deutschland bezeichnen. Einheimische Produkte wie Obst, Gemüse und Pita (Fladenbrot) können auf den offenen Märkten sowie in den arabischen Stadtteilen günstig erworben werden. Milch- und Fleischprodukte, Grundnahrungsmittel wie Reis oder Nudeln, Cerealien, Vollkornprodukte (richtiges Brot) und Genussmittel sind dagegen sehr teuer. Hier lohnt sich v. a. ein wenig Preisvergleich zu betreiben. Besonders kleinere Einzelhandelsgeschäfte haben für bestimmte Nahrungsmittel günstigere Angebote als die Supermarktketten. Putz- und Pflegemittel sowie Kosmetika sind ebenfalls für deutsche Verhältnisse recht teuer, oft ist der zwei- bis dreifache Preis wie in Deutschland zu zahlen. Auch hier bieten die offenen Märkte und vor allem die arabischen Läden in Ost-Jerusalem und in der Altstadt eine günstigere Alternative. Ebenfalls auf ein höheres Preisniveau muss man sich in Restaurants, Bars oder Kneipen und selbst in den Mensen der Uni einstellen. Auch hier gilt in etwa die Formel: doppelt so hohe Preise wie in Deutschland.

  • Visum
  • Auch wenn man mit der Einreise nach Israel ein dreimonatiges Touristenvisum erhält und es auch üblich ist, das Touristenvisums in ein Studentenvisum (A2) im hiesigen Ministerium des Innern umschreiben zu lassen, ist es am einfachsten und unkompliziertesten, das A2 Visum bereits im israelischen Konsulat in Bonn (!) zu beantragen. Dafür wird allerdings bereits die Bescheinigung über die Zusage der Israelischen Universität sowie eine Bearbeitungsgebühr verlangt. Die Bearbeitungszeit beträgt um die vier Wochen. Der Vorteil dieses Visum ist, zum einem relativ problemlos ein- und auszureisen zu können sowie dass im Falle eines einzelnen Hinfluges nach Israel keine zusätzlichen Unterlagen verlangt oder "penetrante" Nachfragen gestellt werden.

    Desweiteren ist zu empfehlen, falls die Semesterferien für Reisen in die umliegenden arabischen Länder genutzt werden sollen, vorher in Deutschland einen zweiten Reisepass beantragt zu haben, der bis Antritt des Aufenthaltes in Israel bereits mindestens ein halbes Jahr alt sein sollte, um durch seine Jungfräulichkeit in arabischen Ländern keinen Verdacht zu erregen. Eine Einreise nach Syrien und in den Libanon ist mit einem Pass mit israelischem Stempel nicht möglich und ein solcher Versuch kann sehr unangenehm werden.

  • Kontakte
  • Gleich nach der Ankunft habe ich mich bei der Deutschen Botschaft in Tel Aviv gemeldet, um im Fall besonderer Vorkommnisse benachrichtigt werden zu können. Allerdings haben mich bisher Veranstaltungshinweise und generelle Informationen, die man optional ebenfalls erhalten kann, nicht erreicht. Trotzdem empfehle ich die weitaus formale Registrierung für den Fall der Fälle. Gerade die Ereignisse der letzten drei Monate haben gezeigt, wie schnell eine Ausnahmesituation eintreten kann.

    Desweiteren habe ich zügig Kontakt zur Konrad-Adenauer-Stiftung in Jerusalem sowie der Friedrich-Ebert-Stiftung in Herzliya aufgenommen, die mich gerne mit Informationen und Ankündigungen von Veranstaltungen und Ereignissen in Israel auf dem Laufenden halten. Die Kontaktaufnahme zu deutschen Organisationen und Stiftungen im Land kann ich jedem dringend anraten, auch wenn keine vorherige Beziehung zu den jeweiligen Stellen besteht. Die Mitarbeiter der Stiftungen sind sehr offen und herzlich gegenüber Außeninteresse an ihrer Arbeit und gerne bereit, einen zu empfangen und auch in die jeweiligen Verteiler aufzunehmen. Für Fragen oder Probleme bieten sie eine bessere Anlaufstelle als die deutsche Botschaft. Oft verfügen die Stiftungen auch über bestimmte Verbindungen und Kontakte, die einem den Studienaufenthalt in Israel erleichtern können. Besonders im Falle von Forschungsvorhaben für Magister- oder Doktorarbeiten kann dieses sehr hilfreich sein.

    Als etwas eingeschränkt empfinde ich die Betreuung durch den DAAD vor Ort. Die zuständige DAAD-Vertretung in Kairo kann ich aufgrund der Entfernung nicht unbedingt als eine relevante Betreuungsstelle erkennen. Erst später habe ich erfahren, dass es auch in Jerusalem ein DAAD-Büro gibt, welches aber als Anlaufstelle für einheimische besonders palästinensische Studenten, die in Deutschland studieren wollen, fungiert.

Ina Rosentreter, Jerusalem 21.01.2001

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überarbeitet 2008-08-25 von Stefan Ahlswede